Ein Beikostplan gibt dir Orientierung, wenn aus Milchmahlzeiten nach und nach Breie und später Familienessen werden. Kaum ein Schritt im ersten Lebensjahr wirft so viele Fragen auf: Wann geht es los? Welcher Brei kommt zuerst? Wie viel darf es sein, und was trinkt dein Baby dazu? Die gute Nachricht: Es gibt ein bewährtes Schema, an dem du dich festhalten kannst – und gleichzeitig viel Spielraum für das Tempo deines Kindes.
Dieser Ratgeber zeigt dir den Beikostplan Monat für Monat, erklärt die Zeichen der Beikostreife und gibt dir eine übersichtliche Tabelle an die Hand. Grundlage sind die Empfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben und von kindergesundheit-info.de, an denen sich auch Kinderärztinnen und Hebammen in Deutschland orientieren.
Was ist ein Beikostplan?
Ein Beikostplan beschreibt, in welcher Reihenfolge und ab welchem Alter Breimahlzeiten einzelne Milchmahlzeiten ersetzen. In Deutschland empfiehlt sich ein Start zwischen dem Beginn des 5. und dem Beginn des 7. Lebensmonats. Etwa im Monatsabstand kommen drei Breie hinzu: zuerst der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei, dann der Milch-Getreide-Brei und schließlich der Getreide-Obst-Brei. Gegen Ende des ersten Lebensjahres geht die Breiphase in das Essen am Familientisch über.
Wichtig: Muttermilch oder Säuglingsmilch bleiben auch nach dem Beikoststart ein zentraler Teil der Ernährung. Du kannst weiterstillen, so lange ihr beide das möchtet. Die Mahlzeiten, die noch nicht durch Brei ersetzt sind, gibst du wie gewohnt an der Brust oder mit dem Fläschchen.
Beikostreife: Woran du erkennst, dass dein Baby bereit ist
Nicht der Kalender allein entscheidet, sondern die Entwicklung deines Babys. Beikost sollte es frühestens ab dem 5. Monat bekommen, auch wenn es schon früher interessiert wirkt. Spätestens zu Beginn des 7. Monats braucht es zusätzliche Nährstoffe wie Eisen, die Milch allein nicht mehr ausreichend liefert.
Typische Zeichen der Beikostreife:
- Dein Baby kann den Kopf sicher halten und mit etwas Unterstützung aufrecht sitzen.
- Der Zungenstoßreflex lässt nach: Es schiebt Brei nicht mehr automatisch mit der Zunge wieder heraus.
- Es steckt Gegenstände selbstständig in den Mund.
- Es interessiert sich für euer Essen, schaut zu und greift danach.
- Es öffnet den Mund, wenn sich der Löffel nähert.
Mehr dazu, wie sich Motorik und Mundmotorik in diesen Monaten entwickeln, liest du in unserem Beitrag zu den Meilensteinen im ersten Jahr. Für Babys mit Erkrankungen oder Frühgeborene legt die Kinderärztin den passenden Zeitpunkt individuell fest.
Beikostplan Monat für Monat: Die Übersicht
Die folgende Tabelle zeigt das bewährte Schema. Die Monatsangaben sind Richtwerte – manche Babys brauchen für jeden Schritt etwas länger, andere sind schneller.
| Alter (ca.) | Neue Mahlzeit | Ersetzt | Wichtig |
|---|---|---|---|
| Bis 4. Monat | Nur Muttermilch oder Säuglingsmilch | – | Keine Beikost, kein zusätzliches Wasser |
| 5.–7. Monat | Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei | Milchmahlzeit am Mittag | Mit wenigen Löffeln Gemüse starten |
| 6.–8. Monat | Milch-Getreide-Brei | Milchmahlzeit am Abend | Ca. einen Monat nach dem ersten Brei |
| 7.–9. Monat | Getreide-Obst-Brei | Milchmahlzeit am Nachmittag | Ab jetzt zusätzlich Getränke anbieten |
| Ab ca. 10. Monat | Familienkost | Breie nach und nach | Drei Haupt-, zwei Zwischenmahlzeiten |

5. bis 7. Monat: Der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei
Der erste Brei im Beikostplan ersetzt meist die Milchmahlzeit am Mittag. Er liefert vor allem Eisen und Zink aus dem Fleisch – Nährstoffe, die dein Baby jetzt verstärkt braucht. Führe ihn in kleinen Schritten ein:
- Gemüse pur: Starte mit wenigen Teelöffeln einer milden Gemüsesorte, etwa Karotte, Pastinake, Kürbis oder Zucchini. Danach stillst du oder gibst das Fläschchen wie gewohnt.
- Kartoffel und Öl ergänzen: Klappt das, kommen eine gegarte Kartoffel und ein Esslöffel Rapsöl hinzu.
- Fleisch und Vitamin C: Im letzten Schritt ergänzt du etwa 30 Gramm mageres Fleisch und eineinhalb Esslöffel Obstsaft oder etwas Obstpüree. Das Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme.
- Menge steigern: Nach und nach wächst die Gemüsemenge auf rund 100 Gramm. Schafft dein Baby die ganze Portion, braucht es danach keine Milch mehr.
Fettreicher Fisch wie Lachs kann das Fleisch ein- bis zweimal pro Woche ersetzen. Für eine vegetarische Variante nimmst du statt Fleisch Getreideflocken und achtest auf einen Vitamin-C-reichen Saft oder Obstpüree. Vegane Ernährung im Säuglingsalter empfehlen Fachgesellschaften nicht; wer sich dafür entscheidet, braucht ärztliche Begleitung und gezielte Nahrungsergänzung.
Kochst du selbst, frag deine Kinderärztin nach einer Jodergänzung: Babys, die ausschließlich selbst gekochten Brei bekommen, sollten laut kindergesundheit-info.de täglich etwa 50 Mikrogramm Jod zusätzlich erhalten. Konkrete Rezepte und Mengen findest du in unseren Babybrei Rezepten.
6. bis 8. Monat: Der Milch-Getreide-Brei
Etwa einen Monat nach dem ersten Brei ersetzt der Milch-Getreide-Brei eine weitere Milchmahlzeit, meist am Abend. Er liefert Kalzium und Energie für die Nacht.
- Milch: 200 Milliliter Vollmilch mit 3,5 % Fett (pasteurisiert oder ultrahocherhitzt) oder Säuglingsmilch. Rohmilch und Vorzugsmilch sind tabu.
- Getreide: Vollkorn-Getreideflocken oder Grieß, gern abwechselnd aus verschiedenen Getreidesorten.
- Obst: etwas Obstsaft oder Obstpüree für Geschmack und Vitamin C.
Kuhmilch ist in dieser Menge im Brei unbedenklich, als Getränk aus der Flasche dagegen im ersten Lebensjahr nicht geeignet. Gute-Nacht-Fläschchen mit eingedicktem Brei solltest du vermeiden, weil sie zu Überfütterung und Karies beitragen können.
7. bis 9. Monat: Der Getreide-Obst-Brei
Als dritter Brei folgt der milchfreie Getreide-Obst-Brei, meist am Nachmittag. Für ihn kochst du Vollkornflocken oder Grieß mit Wasser auf, gibst Obst der Saison und etwas Rapsöl dazu. Ob du zuerst den Milch- oder den Obstbrei einführst, ist laut Netzwerk Gesund ins Leben übrigens flexibel – traditionell kommt der Milchbrei zuerst.
Mit dem dritten Brei bekommt dein Baby nun deutlich weniger Flüssigkeit über die Milch. Deshalb ist jetzt der Zeitpunkt, regelmäßig Getränke anzubieten (mehr dazu weiter unten). Stillst du noch, bleibt die Brust für Morgen- und Nachtmahlzeiten weiter Teil des Tages. Mit dem Fläschchen gibst du weiterhin Säuglingsmilch – welche Sorte sich eignet, erklärt unser Ratgeber zur Pre-Nahrung.
Ab 10. Monat: Übergang zum Familientisch
Etwa ab dem zehnten Monat lösen die Familienmahlzeiten die Breie nach und nach ab. Viele Babys greifen schon ab acht oder neun Monaten nach dem, was die Großen essen. Statt vier Milch- und Breimahlzeiten gibt es dann drei Hauptmahlzeiten und zwei kleine Zwischenmahlzeiten.
- Brotmahlzeiten: fein gemahlenes Vollkornbrot, dünn bestrichen und in kleine Stücke geschnitten, morgens und abends.
- Mittagessen: Nimm die Portion deines Kindes ab, bevor du salzt oder kräftig würzt. Eine kleine Menge Jodsalz ist unbedenklich.
- Fingerfood: weiche Stücke, die sich mit Speichel schnell auflösen – gegartes Gemüse, Kartoffelstücke, Banane, geschälte Birne, Brotwürfel.
- Selbst essen lassen: Greifen, Matschen und Fallenlassen gehören zum Lernen dazu und bedeuten keine Ablehnung.
Wenn dich die Idee reizt, dein Kind von Anfang an mit Fingerfood statt Brei essen zu lassen, findest du in unserem Artikel zu Baby-led Weaning Chancen und Grenzen dieser Methode. Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt weiterhin das Breischema, Fingerfood kann aber ergänzend angeboten werden.

Allergien: Was der Beikostplan dazu sagt
Lange galt der Rat, potenziell allergene Lebensmittel möglichst spät einzuführen. Das hat sich geändert: Das Meiden oder Hinauszögern bestimmter Lebensmittel schützt nicht vor Allergien. Das gilt auch für Babys, deren Eltern oder Geschwister Allergien haben – sie folgen demselben Beikostplan wie alle anderen.
- Ei: Bei erhöhtem Allergierisiko empfiehlt kindergesundheit-info.de, durcherhitztes Hühnerei – hart gekocht oder verbacken – mit der Beikost einzuführen und regelmäßig anzubieten. Rohes Ei und Rührei eignen sich dafür nicht.
- Gluten: Glutenhaltiges Getreide wie Weizen musst du nicht meiden; kleine Mengen gehören ganz normal zur Beikost.
- Fisch: darf ein- bis zweimal pro Woche das Fleisch im Mittagsbrei ersetzen.
Führe neue Lebensmittel nacheinander und nicht alle am selben Tag ein. So erkennst du leichter, worauf dein Baby reagiert. Bei Hautausschlag, Erbrechen oder Durchfall nach einem neuen Lebensmittel sprichst du mit der Kinderärztin. Schwellungen im Gesicht, Atemnot oder ein plötzlich schlappes Baby sind ein Notfall: Wähl sofort die 112.
Getränke im Beikostplan: Was, wann und wie viel?
Solange dein Baby überwiegend Milch und erst ein oder zwei Breie bekommt, braucht es in der Regel nichts zusätzlich zu trinken. Ausnahmen sind große Hitze, Fieber oder Durchfall – dann legst du häufiger an oder bietest öfter das Fläschchen an.
- Ab dem dritten Brei (meist mit 7 bis 9 Monaten) bietest du regelmäßig Getränke an.
- Am besten geeignet: Leitungswasser oder stilles Mineralwasser mit dem Hinweis „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“, alternativ ungesüßter, milder Kräuter- oder Früchtetee.
- Aus Becher oder Tasse: Von Anfang an üben, auch wenn anfangs viel danebengeht.
- Menge: Zu Beginn der Familienkost rund 200 Milliliter am Tag, nach dem Übergang etwa 600 bis 700 Milliliter, verteilt über Mahlzeiten und Zwischendurch.
- Nicht geeignet: Säfte – auch verdünnt –, gesüßte Tees, Limonaden und Getränke mit Honig oder Sirup. Kein Dauernuckeln aus der Flasche.
Alle Details findest du auf der Seite zu Getränken im ersten Lebensjahr bei kindergesundheit-info.de.
Was im ersten Jahr nicht auf den Teller gehört
- Salz, Zucker und Gewürze in Brei und Babyportion – auch bei Fertigprodukten auf die Zutatenliste achten.
- Honig im gesamten ersten Lebensjahr, weil er Erreger des Säuglingsbotulismus enthalten kann.
- Ganze Nüsse, rohe Karotten- oder Apfelstücke, ganze Trauben und Oliven wegen der Verschluckungsgefahr.
- Rohes: Rohmilch und Rohmilchkäse, rohes Fleisch, Rohwurst, roher Fisch, rohe Eier.
- Quark und Fruchtjoghurt sind im ersten Lebensjahr noch nicht vorgesehen; Naturjoghurt kann im Milchbrei die Milch ersetzen.
Verschluckt sich dein Kind und hustet kräftig, lass es husten. Bekommt es keine Luft mehr, läuft blau an oder kann nicht mehr husten, ruf sofort die 112. Ein Erste-Hilfe-Kurs am Kind gibt dir für solche Situationen Sicherheit.
Wenn es mit dem Brei nicht klappt
Viele Babys verziehen beim ersten Löffel das Gesicht – das ist eine normale Reaktion auf neue Geschmäcker und keine Ablehnung. Biete ein neues Gemüse ruhig wiederholt an, ohne Druck. Hilfreich sind feste Essenszeiten, eine ruhige Atmosphäre und ein aufmerksamer Blick auf die Signale deines Kindes: Dreht es den Kopf weg oder presst die Lippen zusammen, ist es satt.
Verweigert dein Baby über längere Zeit jeden Brei, nimmt es nicht zu oder hast du Sorgen wegen Verdauung oder Gedeihen, sprich mit deiner Kinderärztin oder Hebamme. Ausführliche Hintergründe bietet die Seite zur Beikosteinführung bei kindergesundheit-info.de, die Zeichen der Beikostreife beschreibt auch das Netzwerk Gesund ins Leben.
Fazit: Dein Beikostplan als Kompass, nicht als Korsett
Der klassische Beikostplan gibt dir eine verlässliche Struktur: Start zwischen 5. und 7. Monat, drei Breie im Monatsabstand, Getränke ab dem dritten Brei und ab etwa zehn Monaten der Weg an den Familientisch. Innerhalb dieses Rahmens bestimmt dein Baby das Tempo. Wenn du seine Signale ernst nimmst, abwechslungsreich kochst und Mahlzeiten entspannt gestaltest, legst du den Grundstein für ein gesundes Essverhalten – ganz ohne Perfektionsdruck.
Häufige Fragen
Wann sollte ich mit Beikost beginnen?
Empfohlen wird ein Start zwischen dem Beginn des 5. und dem Beginn des 7. Lebensmonats. Entscheidend sind die Zeichen der Beikostreife: Dein Baby hält den Kopf sicher, sitzt mit Unterstützung, schiebt den Brei nicht mehr mit der Zunge heraus und interessiert sich für euer Essen.
Welcher Brei kommt im Beikostplan zuerst?
Als erstes ersetzt der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei die Milchmahlzeit am Mittag. Du startest mit wenigen Löffeln Gemüse, ergänzt dann Kartoffel und Rapsöl und zuletzt Fleisch und etwas Obstsaft. Etwa im Monatsabstand folgen Milch-Getreide-Brei und Getreide-Obst-Brei.
Wie viel Brei braucht mein Baby am Anfang?
Zu Beginn reichen wenige Teelöffel, danach gibst du wie gewohnt Milch. Die Menge steigerst du nach dem Appetit deines Babys, bis es eine ganze Portion schafft – beim Mittagsbrei mit rund 100 Gramm Gemüse, einer Kartoffel und etwa 30 Gramm Fleisch. Manche Babys brauchen dafür Tage, andere Wochen.
Ab wann braucht mein Baby Wasser zusätzlich zur Milch?
Meist erst mit dem dritten Brei, also etwa mit 7 bis 9 Monaten. Ideal sind Leitungswasser oder ungesüßter Kräutertee aus Becher oder Tasse. Bei Hitze, Fieber oder Durchfall braucht dein Baby schon früher mehr Flüssigkeit – dann stillst du häufiger oder bietest öfter das Fläschchen an.
Muss ich bei Allergierisiko bestimmte Lebensmittel meiden?
Nein. Das Meiden oder späte Einführen potenziell allergener Lebensmittel schützt nicht vor Allergien. Auch Babys mit Allergien in der Familie folgen dem normalen Beikostplan; durcherhitztes Ei und glutenhaltiges Getreide dürfen mit der Beikost eingeführt werden. Bei einer festgestellten Allergie berät dich die Kinderärztin.
Wann darf mein Baby am Familientisch mitessen?
Etwa ab dem zehnten Monat können Familienmahlzeiten die Breie nach und nach ersetzen. Nimm die Portion deines Kindes vor dem Salzen und Würzen ab und biete weiche Stücke an. Ganze Nüsse, harte Rohkost und runde Lebensmittel wie Trauben sind wegen der Verschluckungsgefahr tabu.
