Laufen lernen ist für viele Eltern einer der aufregendsten Meilensteine. Die ersten wackligen Schritte sind das Ergebnis vieler Monate Training: Kopf halten, drehen, sitzen, krabbeln, hochziehen. Wann es so weit ist, ist sehr unterschiedlich. Manche Kinder laufen schon vor dem ersten Geburtstag, andere lassen sich bis weit ins zweite Lebensjahr Zeit. Beides liegt im normalen Rahmen.
Wie Kinder laufen lernen
Laufen ist ein komplexes Zusammenspiel aus Muskelkraft, Gleichgewicht und Mut. Die meisten Kinder durchlaufen typische Etappen, allerdings nicht immer in derselben Reihenfolge:
- Hochziehen an Möbeln und erstes freies Stehen mit Festhalten
- Seitwärtsgehen entlang von Sofa oder Tisch, oft „Küstenschifffahrt“ genannt
- Laufen an beiden Händen, später an einer Hand
- Loslassen und ein bis zwei freie Schritte, häufig von einem Halt zum nächsten
- zunehmend sicheres freies Gehen, zunächst breitbeinig und mit erhobenen Armen
Viel Hinfallen gehört dazu. Kinder lernen dabei, sich abzufangen und ihr Gleichgewicht besser einzuschätzen. Manche Babys krabbeln übrigens gar nicht und gehen direkt ins Stehen über. Auch das ist meist kein Grund zur Sorge.
So unterstützt du dein Kind sinnvoll
Dein Kind braucht vor allem Raum, Zeit und Gelegenheit. Ein paar Tipps:
- Viel freie Bewegung am Boden: Je mehr dein Kind krabbeln, klettern und sich hochziehen darf, desto mehr Kraft und Körpergefühl entwickelt es.
- Barfuß oder mit rutschfesten Socken: In der Wohnung spürt dein Kind den Boden am besten barfuß. Feste Schuhe braucht es erst, wenn es draußen sicher läuft.
- Stabile Möbel: Sofa, niedrige Tische oder eine Kiste bieten Halt zum Hochziehen. Achte darauf, dass nichts kippen kann.
- Schiebespielzeug mit Bedacht: Ein stabiler Lauflernwagen kann Spaß machen, wenn dein Kind schon sicher steht. Er sollte nicht zu leicht wegrollen.
- Ermutigen statt ziehen: Freu dich mit, aber zieh dein Kind nicht ständig an den Händen hoch. Es soll in seinem eigenen Tempo üben.
Worauf du besser verzichtest
Sogenannte Gehfrei oder Lauflernhilfen, in denen das Kind sitzt und sich mit Rollen fortbewegt, werden von Kinderärztinnen und Kinderärzten nicht empfohlen. Sie bergen ein erhebliches Unfallrisiko, etwa durch Treppenstürze, und unterstützen das Laufenlernen nicht. Auch frühes Hinstellen oder ständiges Herumführen ist nicht nötig. Dein Kind steht auf, wenn es dafür bereit ist.
Sicherheit, wenn dein Kind mobil wird
Sobald dein Kind sich hochzieht, erreicht es plötzlich viel mehr. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Wohnung kindersicher zu machen: Treppenschutzgitter anbringen, Steckdosen sichern, Regale und Kommoden an der Wand befestigen, Tischdecken und Kabel aus der Reichweite nehmen. Putzmittel, Medikamente und kleine Gegenstände gehören nach oben oder hinter verschlossene Türen.
Wann zum Kinderarzt?
Die Entwicklung wird bei den U-Untersuchungen regelmäßig angeschaut. Sprich deine Kinderarztpraxis auch zwischendurch an, wenn:
- dein Kind mit etwa anderthalb Jahren noch nicht frei läuft
- es ein Bein deutlich weniger belastet, hinkt oder plötzlich nicht mehr laufen möchte
- es dauerhaft nur auf den Zehenspitzen geht
- es bereits gelernte Fähigkeiten wieder verliert
- es dir insgesamt sehr steif oder auffallend schlaff vorkommt
Fazit: Jedes Kind geht seinen Weg
Beim Laufen lernen ist Geduld die beste Unterstützung. Schaff deinem Kind sichere Räume zum Üben, lass es barfuß entdecken und feiere jeden kleinen Fortschritt. Die ersten Schritte kommen, wenn dein Kind bereit ist.
