Baby-led Weaning, kurz BLW, heißt übersetzt ungefähr: vom Baby geleitetes Abstillen. Gemeint ist ein Beikoststart, bei dem dein Baby nicht mit dem Löffel gefüttert wird, sondern von Anfang an selbst weiche, greifbare Stücke isst. Viele Familien mögen daran, dass das Baby mit am Tisch sitzt und in seinem eigenen Tempo entdeckt. Damit der Einstieg sicher klappt, gibt es ein paar wichtige Punkte.
Ist mein Baby bereit?
Für Baby-led Weaning sollte dein Baby einige Entwicklungsschritte geschafft haben. Das ist bei vielen Babys um den sechsten Monat herum der Fall, aber nicht bei allen gleichzeitig.
- Es sitzt mit wenig Unterstützung stabil aufrecht und hält den Kopf sicher
- Es kann Dinge greifen und gezielt zum Mund führen
- Es schiebt Nahrung nicht mehr reflexartig mit der Zunge aus dem Mund
- Es zeigt deutliches Interesse an eurem Essen
Bei Frühgeborenen, Babys mit Entwicklungsverzögerungen, Schluckproblemen oder bestimmten Erkrankungen solltest du vorher mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt sprechen, ob BLW geeignet ist.
Geeignete Lebensmittel für den Start
Am Anfang eignen sich Stücke, die etwa so lang und dick wie ein Finger sind. So kann dein Baby sie gut mit der Faust greifen, und ein Teil schaut oben heraus. Die Stücke sollten so weich sein, dass du sie zwischen Daumen und Zeigefinger zerdrücken kannst.
- Weich gedünstete Gemüsesticks, zum Beispiel Karotte, Zucchini, Pastinake oder Süßkartoffel
- Brokkoliröschen mit Stiel als Griff
- Reife Banane, Avocado oder weich gegarte Birne
- Weich gekochte Nudeln in großen Formen
- Eisenreiche Lebensmittel wie weich gegartes, zerzupftes Fleisch, Linsenbratlinge oder Haferfingerfood
Achte besonders auf Eisen. Muttermilch enthält davon nur wenig, und ab dem zweiten Lebenshalbjahr steigt der Bedarf. Kombiniere eisenreiche Lebensmittel mit Vitamin-C-haltigem Gemüse oder Obst.
Würgen ist nicht Verschlucken
Viele Eltern haben Angst, dass ihr Baby sich verschluckt. Wichtig ist, den Unterschied zu kennen. Würgen ist ein normaler Schutzreflex: Dein Baby hustet, würgt, läuft vielleicht rot an und befördert das Stück wieder nach vorne. Das ist laut und sieht dramatisch aus, ist aber meist ungefährlich. Bleib ruhig und lass dein Baby das selbst lösen.
Beim echten Verschlucken ist der Atemweg blockiert. Dein Baby ist dann still, kann nicht husten oder schreien, wirkt panisch und läuft bläulich an. Das ist ein Notfall: Sofort Erste Hilfe leisten und den Notruf 112 wählen. Ein Erste-Hilfe-Kurs am Kind gibt dir Sicherheit und ist vor dem Start sehr zu empfehlen.
So bleibt Baby-led Weaning sicher
- Dein Baby sitzt beim Essen immer aufrecht, nie im Liegen oder halb zurückgelehnt
- Lass es beim Essen nie allein
- Biete keine ganzen Nüsse, keine harten rohen Gemüse- oder Apfelstücke an
- Runde Lebensmittel wie Weintrauben, Kirschtomaten oder Heidelbeeren vierteln oder zerdrücken
- Kein Honig, kein Salz und kein Zucker im ersten Lebensjahr
- Dein Baby bestimmt selbst, wie viel es isst, steck ihm nichts in den Mund
Brei, BLW oder beides?
Du musst dich nicht für einen Weg entscheiden. Viele Familien kombinieren Brei und Fingerfood ganz entspannt. Am Anfang landet beim BLW oft mehr Essen auf dem Boden als im Bauch. Das ist normal, denn die Milch bleibt in den ersten Monaten der Beikost die wichtigste Nahrungsquelle.
Sprich mit deiner Kinderarztpraxis, wenn dein Baby nicht gut zunimmt, auffällig oft würgt oder erbricht oder nach dem Essen Ausschlag bekommt. Ansonsten gilt: Leg eine abwischbare Unterlage unter den Hochstuhl, setz dich dazu und genießt die Entdeckungsreise gemeinsam.
